Medikamente, die zwanghaftes Spielen verursachen können

Erkenntnisse zur Spielsucht

Es mag sich anhören wie eine gute Verteidigungs-Strategie, aber immer mehr Studien belegen, dass bestimmte Medikamente zu zwanghaftem Verhalten wie Spielsucht führen können.

Natürlich bilden solche Nebenwirkungen die Ausnahme von der Regel. Es ist aber Fakt, dass eine wachsende Anzahl von Menschen mit bestimmten medizinischen Problemen diese Verhaltensweisen entwickelt, wenn sie spezielle verordnete Medikamente einnehmen, und dass diese unerklärlichen Zwänge wieder verschwinden, wenn die Medikamente abgesetzt werden. Für Experten häufen sich die Anzeichen dafür, dass hier entgegen aller Skepsis ein Zusammenhang bestehen könnte, der ein neues Kapitel eröffnet in der Psychologie des Glücksspiels.

Wir wollen hier einige der wichtigsten Medikamente betrachten, die Zwangsverhalten auslösen können. So können Sie sich, falls Sie diese einnehmen und einen Hang zu exzessivem, zwanghaftem Spielverhalten verspüren, Hilfe holen.

Parkinson-Medikamente

Es ist ausreichend dokumentiert, dass bestimmte, zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung eingesetzte Medikamente in Verbindung gebracht wurden mit zwanghaften Verhaltensweisen wie impulsivem und exzessivem Einkaufen, Glücksspiel und gesteigerter sexueller Aktivität.

Die Gruppe der entsprechenden Medikamente, auch bekannt als Dopamin-Antagonisten, ist dafür konzipiert, den Verlust von Dopamin auszugleichen, der verursacht wird durch strukturelles Versagen in den für die Kontrolle der Bewegungsfähigkeit zuständigen Hirnregionen. Der so erhöhte Dopamin-Spiegel wirkt sich dann auch auf andere Bereiche des Gehirns aus, zum Beispiel auf das dopamingesteuerte neuronale System, das verknüpft ist mit Genuss und belohnendem Verhalten sowie mit den damit verbundenen Emotionen. Letztere manifestieren sich schließlich in impulsiven und zwanghaften Handlungen.

Drei bekannte und viel genutzte Parkinson-Medikamente, nämlich Mirapex, Levodopa und Carbidopa, wurden als mögliche Verursacher dieser Art von Zwangsverhalten bei einigen wenigen Anwendern identifiziert.

Mirapex (Pramipexol) gilt unter diesen Medikamenten als das populärste und wurde allein in den USA im letzten Jahr in Mengen für über 200 Millionen Dollar verkauft. Das Medikament soll gezielt Tremor und Muskelstarre, die typischen Anzeichen für Parkinson, reduzieren. Während es für die Mehrheit der Patienten wahre Wunder wirkt, kann es in Einzelfällen der Beginn eines ganzen Alptraums sein.

Entsprechende Fälle sind in der Mayo-Klinik dokumentiert, darunter die Fallstudie eines 68-jährigen Mannes, der in nur 6 Monaten über 200 000 Dollar beim Glücksspiel verlor, sowie die eines 41-Jährigen, der dem Online-Glücksspiel verfiel und in kürzester Zeit 5000 Dollar Verlust machte. Beide Männer versicherten glaubhaft, dass sie niemals einer solchen Versuchung unterlegen waren, bevor sie mit der Einnahme des Medikaments begannen.

Die gleichen Anzeichen werden auch aus anderen Teilen der Welt gemeldet. Ärzte fragen ihre Parkinson-Patienten, die das Medikament verwenden, inzwischen routinemäßig danach, ob sie plötzlich mit dem Spielen begonnen hätten, mehr einkaufen würden oder mehr Sex hätten als gewöhnlich. Wer von diesen Nebenwirkungen betroffen ist, wird sofort auf andere Medikamente umgestellt oder muss zumindest seine Dosierung neu anpassen – oft mit dem dramatischen Effekt, dass die Zwangshandlungen schlagartig aufhören.

Medikamente, die beim Restless-Legs-Syndrom eingesetzt werden

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine medizinisch dokumentierte neurologische Störung,  die sich in unterschiedlicher Ausprägung manifestieren kann. Es beginnt mit einem unangenehmen bis schmerzhaften Gefühl in den Beinen, wenn sich der Betroffene in Ruhe befindet. Oft führt es zu massiven Schlafstörungen, die es den Betroffenen schwer oder gar unmöglich machen, im Alltag noch zu funktionieren.

Interessanterweise wird RLS mit ähnlichen Medikamenten behandelt wie die Parkinson-Krankheit, ebenfalls aus der Kategorie der Dopamin-Antagonisten.

Zwei der fraglichen Arzneimittel sind Pramipexol und Ropinirol (unter dem Namen Requip im Handel). Auch hier wurden Fälle von zwanghaftem Spielverhalten dokumentiert, die mit beträchtlichen Verlusten von mehr als 100 000 Dollar verbunden waren. Auch in diesen Fällen hatten die betroffenen Menschen keinerlei Vorgeschichte in Bezug auf problematisches Spielverhalten.

Medikamente gegen Schizophrenie und bipolare Störungen

Eine Reihe von Medikamenten kommt zum Einsatz in der Behandlung psychiatrischer Störungen wie Schizophrenie und manischer Depression. Abilify (Aripiprazol) ist einer der Verkaufs-Schlager in dieser Kategorie und wird in Verbindung gebracht mit Nebenwirkungen wie krankhaftem Spielen, Hypersexualität und zwanghaftem  Essen. Auch hier erklärt man diese Verhaltensweisen mit dem Einfluss von Neurotransmittern im Gehirn, die den Dopamin- und Serotoninspiegel verändern und so Stimmung und Verhalten beeinflussen können.

Wenn als Reaktion auf eine bestimmte Aktivität Dopamin stimuliert wird, dann erleben die betroffenen Menschen Hoch- und Glücksgefühle, die im Normalfall dafür sorgen, dass Überlebensmechanismen wie das Essen aufrecht erhalten werden. Bei Menschen mit psychischen Störungen werden diese Systeme oft über- oder unterstimuliert.

Man geht davon aus, dass Abilify die Dopamin-Belohnungsrezeptoren überstimulieren und so ein zwanghaftes Verhalten auslösen könnte.

Es wurden etliche Fallstudien durchgeführt bezüglich der Verbindung zwischen diesem Medikament und exzessivem Spielverhalten. Eine Studie hat gezeigt, dass sieben von acht Patienten, die keinerlei Vorgeschichte mit problematischem Spielverhalten hatten, unter dem Einfluss des Medikaments die Kontrolle über ihre Spiel-Gewohnheiten verloren. Nach einer deutlichen Reduzierung der Dosis oder dem vollständigen Absetzen des Medikaments gewannen sie die Kontrolle zurück.

Antidepressiva

Medizinische Experten fanden auch eine überraschende Verbindung zwischen dem häufig verwendeten Antidepressivum Effexor und Spielsucht. Zwar wurden noch keine schlüssigen Studien durchgeführt, aber zahlreiche Patienten berichten von einer zwanghaften Neigung zum Glücksspiel, nachdem sie mit Einnahme des Medikaments begonnen haben.

Auch Effexor wirkt auf das Serotonin- bzw. Dopamin-Zentrum im Gehirn, und dies könnte der Grund dafür sein, warum manche der Patienten als Nebenwirkung zwanghaft zu spielen beginnen.



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