Normale oder Online-Casinos – welche Variante macht eher süchtig?

Seit vielen Jahren haben die Gegner von Online-Glücksspielen bereits das Argument ins Feld geführt, dass Online-Casinos zu deutlich mehr Fällen von Spielsucht geführt haben. Dieses Argument war in vielen Artikeln zu finden und wurde immer wieder bei Kongressen in aller Welt verbreitet, um dafür zu sorgen, dass Online-Glücksspiele komplett verboten werden.

Allerdings basiert das Argument nicht unbedingt auf wissenschaftlicher Forschung und auf Tatsachen, sondern eher auf theoretischen Annahmen. Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es praktisch keine zuverlässigen und umfangreichen Daten, da die Mehrzahl der unabhängigen Studien nur eine sehr geringe Anzahl von Versuchsteilnehmern hatten. Zudem wurden Umgebungen beobachtet, die keine genaue Repräsentation der Gegebenheiten bei Glücksspielanbietern sind. Viele Experten betonen, dass falsche Statistiken absichtlich und unabsichtlich dazu geführt haben, dass die Ergebnisse nicht zuverlässig waren.

In den vergangenen Jahren, in denen die Debatte über Glücksspiele im Internet immer heftiger geführt worden ist, haben Forscher allerdings eine Reihe von umfangreichen Studien zu Online- und zu normalen Casinos unternommen. Dabei haben sie festgestellt, dass bestimmte Formen der Architektur teilweise eher dazu führen, dass Spieler gerne an Glücksspielen teilnehmen, das Internet ist also gar nicht so wichtig. Vor allem wurde aber festgestellt, dass sich bei der Untersuchung vieler Daten zu Online-Glücksspielen und zur Aktivität von Spielern in Online-Casinos zeigt, dass diese sich oft zurückhalten.

Die Division on Addiction an der Harvard Medical School wurde damit beauftragt, empirische Studien zu Online-Glücksspielen zu erstellen, die Politikern wichtige Erkenntnisse liefern sollten. Nach der Auswertung von Daten aus zwei Jahren, die von Bwin, einem der größten Glücksspielanbieter in Europa, zur Verfügung gestellt wurden, haben die Forscher einige allgemeine Schlüsse über das Verhalten von Spielern im Internet gezogen. Bwin bietet neben Sportwetten auch ein Online-Casino und Pokerspiele an.

Einer der wichtigsten Aspekte der Studie war die Tatsache, dass in jeder Glücksspielkategorie die Mehrzahl der Spieler nur von Zeit zu Zeit und in Maßen spielt. Nur ein kleiner Teil der Spieler ‐ zwischen einem und fünf Prozent ‐ ist deutlich häufiger aktiv als die übrigen Spieler.

 

In der Stichprobe mit mehr als 4000 Besuchern des Online-Casinos lag die durchschnittliche Frequenz der Einsätze über einen Zeitraum von neun Monaten bei einer Sitzung in zwei Wochen. Dabei verloren die Spieler im Schnitt 5,5 Prozent des eingesetzten Guthabens. Bei den 40.000 Spielern, die Einsätze bei Sportwetten vornahmen, gab es im Schnitt 2,5 Einsätze alle vier Tage, die insgesamt gesetzte Summe lag im Schnitt bei 5,50 US-Dollar.

Auch die Universität Hamburg hat unabhängige Studien durchgeführt, die die Arbeit an der Harvard Medical School ergänzen. Dabei wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten mehr als zwei Millionen Spieler von Online-Poker beobachtet. Der durchschnittliche Spieler war in diesem Zeitraum 4,88 Stunden lang aktiv, die Mehrzahl der Spieler hat weniger als einen Dollar pro Stunde und Tisch ausgegeben. Bei dieser Studie sollte beachtet werden, dass die Universität großen Wert auf den Durchschnitt der Spieler gelegt hat. Die Forscher stellten fest, dass die sehr kleine Gruppe der intensiven Spieler die Durchschnittswerte für die gesamte Gruppe deutlich beeinflusst hat.

Die Daten aus diesen neuen Studien zeigen, dass Online-Glücksspiele nicht so negative Wirkungen haben, wie viele Politiker und Glücksspielgegner immer wieder betonen. Tatsächlich waren die Auswirkungen, die Online-Glücksspiele in den vergangenen Jahren weltweit hatten, sehr gering.

Die Ergebnisse unterstreichen die Meinung von Howard Shaffer und Ryan Martin von der Universität in Harvard, die 2011 schrieben, dass im Gegensatz zu den Vorhersagen aus dem sogenannten 'Exposure Model' die Verbreitung von Spielsucht sehr stabil geblieben ist. Obwohl der Zugang zu Glücksspielen im Internet heute sehr einfach ist, gibt es also nicht mehr Spielsüchtige.

Darüber hinaus erläutert Shaffer, dass es bei neuen Varianten von Glücksspielen immer einen kurzfristigen Anstieg der Aktivität geben wird. Allerdings lassen diese Aktivitäten wieder nach, das Interesse geht auf ein normales Niveau zurück. Bei Online-Glücksspielen gewöhnen sich Menschen entweder an den einfacheren Zugang zu den Spielen oder begeistern sich einfach nicht mehr für die Online-Varianten von Glücksspielen, sodass die Aktivität nachlässt, wenn es nicht mehr neu und ungewöhnlich ist.

Allerdings ist das in normalen Casinos nicht immer der Fall. Forscher haben festgestellt, dass das mit Aspekten der Architektur von Casinos zusammenhängt, die so gestaltet werden, dass Spieler zu mehr Einsätzen angeregt werden. Im Jahr 2006 veröffentlichte die Universität in Guelph einen Artikel, in dem es um das Design von Casinos und dessen Wirkung auf das Glücksspielverhalten der Besucher ging.

Die Autoren der Studie zeigten den Teilnehmern zwei verschiedene Designs für ein Casino. Die erste Variante war ein Modell mit warmen Farben, Grünflächen und fließendem Wasser, in der zweiten Variante waren hingegen die Glücksspiele der wichtigste Faktor. Dekorationen wurden hier nur dazu genutzt, um die Tische und Geräte hervorzuheben und schöner zu gestalten.

Die Forscher sammelten dann emotionale und psychologische Antworten der Teilnehmer zu den beiden Varianten. Sie stellten fest, dass die erste Variante zu einem besseren Gefühl führte, zugleich wurden die Teilnehmer dadurch eher dazu angeregt, Einsätze vorzunehmen und länger im Casino zu bleiben, um zu spielen. Diese Studie hat sich auch auf das echte Leben ausgewirkt, zum Beispiel im Bellagio oder im Wynn Hotel und Casino in Las Vegas. In beiden Häusern findet man vor allem schöne Dekorationen, die Spiele stehen nicht so sehr im Vordergrund. Das führt zu einigen der höchsten Umsätze von Casinos in Las Vegas.


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